Frankfurts Innenstadt ist auf engstem Raum eine der dichtesten Geschichtslandschaften Deutschlands. Zwischen Altstadt und Innenstadt, also dem Kern innerhalb der alten Wallanlagen, drängen sich Kaiserkrönungskirche, Wiege der deutschen Demokratie, Goethes Geburtshaus und eine der spektakulärsten Skylines Europas. Kaum ein Quadratkilometer in der Republik erzählt so viel auf so wenig Fläche.
Die historische Altstadt zählt heute nur rund 4.200 Einwohner auf etwa 50 Hektar, ist also einer der kleinsten Stadtteile Frankfurts und zugleich der besucherreichste. Wer hier ankommt, geht zwischen wiederaufgebautem Fachwerk und gläsernen Hochhäusern hin und her, oft in wenigen Minuten. Dreizehn Orte zeigen, warum sich der Gang durch das Zentrum lohnt.
- 1. Römer und Römerberg
- 2. Kaiserdom St. Bartholomäus
- 3. Neue Altstadt und Hühnermarkt
- 4. Paulskirche
- 5. Goethe-Haus und Deutsches Romantik-Museum
- 6. Zeil und Hauptwache
- 7. Main Tower
- 8. Eiserner Steg und Mainufer
- 9. Museumsufer
- 10. Kleinmarkthalle
- 11. Alte Oper
- 12. Schirn Kunsthalle und Saalhof
- 13. Bockenheimer Anlage und Wallanlagen
- Ausblick: Was sich im Zentrum verändert
1. Römer und Römerberg
- Adresse: Römerberg 23, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: Platz frei, Kaisersaal nur zu Veranstaltungen zugänglich
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Stadtbummler, Fotografen
- Verkehr: U-Bahn Dom/Römer (U4, U5)
Der Römer ist seit 1405 das Rathaus Frankfurts. In jenem Jahr kaufte der Rat die Häuser Zum Römer und Zum Goldenen Schwan, und seither ist die markante Dreigiebel-Fassade das Wahrzeichen der Stadt. Im ersten Stock liegt der Kaisersaal mit den Bildnissen von 52 Herrschern des Heiligen Römischen Reiches.
Davor öffnet sich der Römerberg, der zentrale Platz der Altstadt und über Jahrhunderte Schauplatz von Messen, Märkten und Krönungsfeiern. Die Fachwerkhäuser der Ostzeile mit Namen wie Großer Engel oder Schwarzer Stern wurden nach der Zerstörung von 1944 in den 1980er Jahren rekonstruiert. Im Advent verwandelt sich der Platz in einen der ältesten Weihnachtsmärkte Deutschlands.
2. Kaiserdom St. Bartholomäus
- Adresse: Domplatz 1, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: Kirche frei, Domturm gegen Gebühr
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Aussichtssucher
- Verkehr: U-Bahn Dom/Römer (U4, U5)
Der Kaiserdom ist die größte Kirche Frankfurts und einer der wichtigsten Erinnerungsorte der deutschen Geschichte. Ab 1356, im Zuge der Goldenen Bulle Karls IV., wurden hier die römisch-deutschen Könige gewählt, von 1562 bis 1792 auch gekrönt. In der kleinen Wahlkapelle an der Südseite des Chors bestimmten die sieben Kurfürsten den neuen Herrscher.
Der gotische Turm ragt 95 Meter in den Himmel und gehört zu den frühen Hochbauten der Stadt. Wer die 328 Stufen erklimmt, blickt über die Altstadt, das Mainufer und die moderne Skyline. Trotz des Namens war der Bartholomäusdom nie Bischofssitz, der Titel Kaiserdom verweist allein auf seine Rolle bei Wahl und Krönung.
3. Neue Altstadt und Hühnermarkt
- Adresse: zwischen Römer und Dom, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Architekturfreunde, Spaziergänger, Familien
- Tipp: Stoltze-Brunnen auf dem Hühnermarkt
Zwischen Römer und Dom lag bis 2018 ein nüchterner Betonbau aus den 1970ern, das Technische Rathaus. An seiner Stelle entstand das DomRömer-Quartier, das im Mai 2018 für die Öffentlichkeit freigegeben und im September mit einem Altstadtfest eröffnet wurde, zu dem über 250.000 Besucher kamen. 35 Häuser wurden neu errichtet, darunter 15 schöpferische Rekonstruktionen historischer Altstadtbauten.
Herz des Viertels ist der Hühnermarkt mit dem wiederaufgestellten Stoltze-Brunnen, der an den Frankfurter Mundartdichter Friedrich Stoltze erinnert. Durch das Quartier verläuft der Krönungsweg, den die Kaiser einst vom Dom zum Römer nahmen. Wer mehr über die alte Stadt erfahren will, findet im Haus zur Goldenen Waage das Stoltze-Museum und ein Café.
4. Paulskirche
- Adresse: Paulsplatz 11, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Schulklassen
- Verkehr: U-Bahn Dom/Römer oder Hauptwache
Die ovale Paulskirche ist die Wiege der deutschen Demokratie. Hier tagte vom 18. Mai 1848 bis zum 30. Mai 1849 die Frankfurter Nationalversammlung, das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament. In zwölfeinhalb Monaten erarbeiteten die Abgeordneten die erste demokratische Verfassung für Deutschland, die letztlich an den Fürsten scheiterte.
Im Krieg ausgebrannt, wurde die Kirche bis 1948 als erstes Frankfurter Wahrzeichen wieder aufgebaut, betont schlicht und ohne Kirchenfunktion. Heute dient der Rundbau als Gedenk- und Versammlungsort, hier wird unter anderem der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Wer die Geschichte des Viertels vertiefen will, findet sie in unserem Beitrag zur Geschichte der Frankfurter Innenstadt.
5. Goethe-Haus und Deutsches Romantik-Museum
- Adresse: Großer Hirschgraben 23 bis 25, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: gegen Gebühr, ermäßigt und frei für Kinder
- Geeignet für: Literaturfreunde, Kulturreisende
- Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen
Im Großen Hirschgraben kam Johann Wolfgang von Goethe 1749 zur Welt. Im wiederaufgebauten Elternhaus, eingerichtet im Stil einer wohlhabenden Frankfurter Bürgerfamilie des 18. Jahrhunderts, schrieb der junge Goethe Teile des Werther und erste Szenen des Faust. Über vier Stockwerke lässt sich nachvollziehen, wie eine Patrizierfamilie damals lebte.
Direkt angeschlossen ist seit 2021 das Deutsche Romantik-Museum, das mit Handschriften, Gemälden und Erstausgaben die Epoche der Romantik erfahrbar macht. Beide Häuser werden vom Freien Deutschen Hochstift betreut und gehören zu den bedeutendsten Literaturmuseen Deutschlands.
6. Zeil und Hauptwache
- Adresse: Zeil, 60313 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Shoppingfreunde, Familien
- Verkehr: U- und S-Bahn Hauptwache und Konstablerwache
Die Zeil ist Frankfurts wichtigste Einkaufsstraße und eine der umsatzstärksten Deutschlands. Zwischen Hauptwache und Konstablerwache reihen sich Kaufhäuser, Filialen und die spektakuläre Einkaufsgalerie MyZeil mit ihrer geschwungenen Glasfassade. Am Eingang steht das barocke Wachgebäude der Hauptwache von 1730, heute Café und einer der zentralen Treffpunkte der Stadt.
Wer dem Trubel entkommen will, findet rund um die Zeil ruhigere Ecken. Eine Übersicht über die einzelnen Quartiere des Zentrums bietet unser Beitrag zu den Stadtteilen der Frankfurter Innenstadt.
7. Main Tower
- Adresse: Neue Mainzer Straße 52 bis 58, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: gegen Gebühr, Kinder unter sechs Jahren frei
- Geeignet für: Aussichtssucher, Fotografen, Paare
- Highlight: öffentliche Aussichtsplattform in 187 Metern Höhe
Der Main Tower ist mit 200 Metern (mit Antenne 240 Meter) eines der höchsten Gebäude Frankfurts und das einzige Bürohochhaus der Innenstadt mit einer öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform. In 187 Metern Höhe reicht der Rundumblick an klaren Tagen weit über den Taunus, das Maintal und die gesamte Skyline.
Zwei verspiegelte Hochgeschwindigkeitsaufzüge bringen Besucher in knapp einer Minute nach oben. Besonders eindrucksvoll ist der Aufstieg in der Dämmerung, wenn die umliegenden Bankentürme nach und nach ihre Lichter anschalten und das Mainufer zu glitzern beginnt.
8. Eiserner Steg und Mainufer
- Adresse: Mainkai, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Flaneure, Radfahrer, Familien
- Saison: ganzjährig, am schönsten zum Sonnenuntergang
Der Eiserne Steg, eine schmiedeeiserne Fußgängerbrücke von 1869, verbindet die Altstadt mit Sachsenhausen auf der anderen Mainseite. An den Geländern hängen tausende Liebesschlösser, und die Aussicht auf Dom, Skyline und Fluss zählt zu den meistfotografierten Motiven der Stadt. Über dem Bogen prangt ein Vers aus Homers Odyssee in griechischen Lettern.
Beidseits des Mains erstrecken sich die Uferpromenaden, im Sommer voller Spaziergänger, Jogger und Picknicker. Von hier legen die Ausflugsschiffe ab, und am Nordufer beginnt der historische Weg zum Römer. Bei warmem Wetter ist das Mainufer der größte Freiluft-Treffpunkt des Zentrums.
9. Museumsufer
- Adresse: Schaumainkai und Mainufer, 60311 und 60594 Frankfurt am Main
- Eintritt: je Museum unterschiedlich
- Geeignet für: Kulturreisende, Familien, Kunstfreunde
- Highlight: Museumsuferfest im Spätsommer
An beiden Seiten des Mains reihen sich rund um den Eisernen Steg die Häuser des Museumsufers aneinander, eine der dichtesten Museumslandschaften Europas. Auf der Sachsenhäuser Seite liegen unter anderem das Städel mit seiner Sammlung von 700 Jahren Kunst, das Museum für Angewandte Kunst und das Deutsche Filmmuseum, auf der Altstadtseite das Historische Museum am Römer.
Einmal im Jahr verwandelt das Museumsuferfest die Promenaden in ein riesiges Open-Air-Festival mit Bühnen, Ständen und Bootskorso. Auch ohne Festtage lohnt der Bummel von Haus zu Haus, viele Museen liegen nur wenige Gehminuten auseinander.
10. Kleinmarkthalle
- Adresse: Hasengasse 5 bis 7, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Feinschmecker, Marktfreunde
- Geöffnet: Montag bis Samstag, sonntags geschlossen
Nur einen Steinwurf von der Zeil entfernt liegt die Kleinmarkthalle, der kulinarische Bauch Frankfurts. In der hallenartigen Markthalle bieten rund 150 Stände Obst, Fisch, Käse, Wurst und Spezialitäten aus aller Welt an. Wer typisch Frankfurterisch essen will, probiert die Grüne Soße oder eine Bratwurst im Brötchen vom Metzgerstand.
Im Obergeschoss schenkt ein kleiner Stand Äppelwoi aus, und mittags drängen sich Anzugträger, Köche und Touristen zwischen den Auslagen. Die Halle ist seit Jahrzehnten Treffpunkt und bestes Beispiel dafür, dass die Innenstadt nicht nur Geschichte und Banken kennt, sondern auch Genuss.
11. Alte Oper
- Adresse: Opernplatz 1, 60313 Frankfurt am Main
- Eintritt: Platz frei, Veranstaltungen kostenpflichtig
- Geeignet für: Architekturfreunde, Konzertbesucher
- Verkehr: U-Bahn Alte Oper (U6, U7)
Die Alte Oper am westlichen Rand der Innenstadt wurde 1880 als prächtiges Opernhaus der Renaissance eröffnet, Kaiser Wilhelm I. war zur Einweihung angereist. Über dem Eingang steht die Inschrift Dem Wahren, Schönen, Guten. Nach der Zerstörung im Krieg stand die Ruine jahrzehntelang leer und wurde erst 1981 als Konzert- und Kongresshaus wiedereröffnet.
Vor dem Gebäude liegt der Opernplatz mit dem Lucae-Brunnen, im Sommer voller Cafés und Open-Air-Stimmung. Von hier führt die noble Freßgass mit ihren Feinkostläden und Restaurants direkt zur Hauptwache, ein beliebter Bummelweg durch das Zentrum.
12. Schirn Kunsthalle und Saalhof
- Adresse: Römerberg, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: Ausstellungen gegen Gebühr
- Geeignet für: Kunstfreunde, Architekturinteressierte
- Geöffnet: Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen
Zwischen Römerberg und Dom erstreckt sich die Schirn Kunsthalle, eines der renommiertesten Ausstellungshäuser Deutschlands. Seit 1986 zeigt sie wechselnde Schauen zu Klassischer Moderne, Gegenwartskunst und kunsthistorischen Themen, eine feste Sammlung besitzt sie bewusst nicht.
Gleich nebenan liegt der Saalhof, der älteste erhaltene Profanbau Frankfurts, dessen Kern bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Heute beherbergt das Areal das Historische Museum mit Modellen, das die Entwicklung der Stadt vom mittelalterlichen Handelsplatz bis zur heutigen Metropole zeigt.
13. Bockenheimer Anlage und Wallanlagen
- Adresse: rund um die Innenstadt, 60311 Frankfurt am Main
- Eintritt: frei
- Geeignet für: Spaziergänger, Jogger, Naturfreunde
- Highlight: Eschenheimer Turm und Nizza am Mainufer
Wo bis ins frühe 19. Jahrhundert die Stadtbefestigung verlief, zieht sich heute ein grüner Ring um die Innenstadt, die Wallanlagen. Der Architekt Sebastian Rinz legte die Festungswälle nach 1806 als öffentliche Parklandschaft an, ein für die damalige Zeit ungewöhnlich frühes Beispiel bürgerlicher Grünplanung.
Der Ring verbindet die Bockenheimer Anlage, die Taunusanlage und das Nizza am Mainufer, einen der nördlichsten mediterranen Gärten Deutschlands. Mitten im Grün steht der Eschenheimer Turm aus dem 15. Jahrhundert, der besterhaltene Rest der mittelalterlichen Stadtmauer. So lässt sich die ganze Innenstadt fast vollständig im Park umrunden.
- Stoltze-Museum: kleines Mundart-Museum im Haus zur Goldenen Waage am Hühnermarkt
- Leonhardskirche: spätgotische Hallenkirche direkt am Mainufer, oft übersehen
- Eschenheimer Turm: mittelalterlicher Wehrturm, heute mit Lokal im Inneren
Ausblick: Was sich im Zentrum verändert
Die Frankfurter Innenstadt bleibt in Bewegung. Der nördliche Mainkai wird Schritt für Schritt verkehrsberuhigt und stärker den Fußgängern überlassen, und rund um die Hauptwache und die Zeil arbeitet die Stadt an einer attraktiveren Aufenthaltsqualität abseits des reinen Einkaufens.
Die Innenstadt ist kein Ort, den man in einer Stunde abhakt. Sie ist ein Ort, an dem mittelalterliches Fachwerk und gläserne Hochhäuser nebeneinanderstehen, an dem man morgens auf dem Domturm steht und abends am Mainufer sitzt. Wer Zeit mitbringt, entdeckt zwischen Krönungskirche und Skyline ein Zentrum, das in Deutschland seinesgleichen sucht.