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Nachrichten aus der Frankfurter Innenstadt
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Frankfurt Innenstadt Geschichte: Von der Kaiserpfalz zur Neuen Altstadt

Mehr als 1200 Jahre Geschichte zwischen Dom und Römer, von der karolingischen Pfalz über die Krönungsstadt der Kaiser und die Paulskirche bis zur wiederaufgebauten Altstadt von 2018.

Von Carsten Friedrich | 19. Juni 2026
Frankfurt Innenstadt Geschichte: Von der Kaiserpfalz zur Neuen Altstadt © Foto: LudwigSebastianMicheler / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Der Frankfurter Römerberg mit dem Römer, dem historischen Rathaus der Stadt, das seit 1405 als Sitz des Rats dient.

Wer über den Römerberg geht, läuft mitten durch tausend Jahre europäische Geschichte. Hier wurden Könige gewählt, Kaiser gekrönt, Messen gefeiert und eine deutsche Verfassung beraten. Unter dem Pflaster liegen die Reste einer karolingischen Kaiserpfalz, und ringsum stehen Häuser, die erst vor wenigen Jahren originalgetreu wiederaufgebaut wurden.

Die Frankfurter Altstadt und die angrenzende Innenstadt bilden den historischen Kern der Stadt am Main. Diese Chronik führt vom merowingischen Königshof des 7. Jahrhunderts über die Freie Reichsstadt bis zur Neuen Altstadt von 2018 und zum heutigen Bankenviertel.

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Königspfalz: Von den Merowingern zu Karl dem Großen

Die Geschichte der Frankfurter Altstadt beginnt nicht mit einer Stadtgründung, sondern mit einer Furt. Wo der Main an einer Sandbank flach genug war, um ihn zu durchqueren, lag schon in römischer Zeit ein Militärposten, und seit der späten Merowingerzeit im 7. Jahrhundert befand sich auf dem Domhügel ein fränkischer Königshof.1

Urkundlich greifbar wird der Ort am 22. Februar 794. In einer Schenkungsurkunde an das Kloster Sankt Emmeram zu Regensburg taucht der Name "Franconofurd" erstmals auf. Karl der Große war nach Weihnachten 793 aus Würzburg an den Main gekommen und blieb bis in den Sommer.2

Im Juni 794 versammelte Karl die Bischöfe seines Reichs zur Synode von Frankfurt. Auf dieser Reichsversammlung wurde unter anderem der Adoptianismus verworfen und über den Bilderdienst gestritten. Aus der karolingischen Pfalz, die aus dem alten Königshof erwuchs, wurde der Kern, um den herum die mittelalterliche Stadt heranwuchs.3

1200 Jahre auf einen Blick

Die Reste der Pfalz sind bis heute sichtbar: Unter dem heutigen Stadthaus am Markt liegt die "Kaiserpfalz Franconofurd", ein archäologisches Bodendenkmal mit Mauern aus römischer, merowingischer und karolingischer Zeit, das 2018 als Schaufenster der Frühgeschichte zugänglich wurde.

1240: Das Messeprivileg macht Frankfurt zum Handelsplatz

Die Lage an der Furt machte Frankfurt zum Treffpunkt der Kaufleute. Am 11. Juli 1240 erteilte Kaiser Friedrich II. der Stadt ein Messeprivileg: Den Händlern, die zur Herbstmesse anreisten, sicherte er kaiserliches Geleit zu, das sogenannte ius conductum.4

Rund 90 Jahre später kam unter Kaiser Ludwig dem Bayern das Privileg für die Frühjahrsmesse hinzu. Damit war Frankfurt zweimal im Jahr Treffpunkt des europäischen Fernhandels, ein Status, der die Stadt über Jahrhunderte reich und bedeutend machte. Aus dieser Tradition ist die heutige Messe Frankfurt hervorgegangen.5

1333: Ludwig der Bayer und die dreifache Stadt

Die mittelalterliche Altstadt platzte aus allen Nähten. 1333 erlaubte Kaiser Ludwig der Bayer der Stadt, ihr Gebiet auf das Dreifache zu erweitern. Vor der alten Mauer entstand die Neustadt, das Gebiet, das heute weitgehend dem Stadtteil Innenstadt entspricht.6

Ab 1343 begann der Bau einer neuen Stadtmauer um die Neustadt. Die alte Grenze der Altstadt folgte noch der staufischen Mauer des 12. Jahrhunderts. Der so entstandene Mauerring umschloss bis ins 19. Jahrhundert den gesamten städtischen Kern.

1356: Die Goldene Bulle macht Frankfurt zur Wahlstadt

1356 erließ Kaiser Karl IV. die Goldene Bulle, das wichtigste Reichsgrundgesetz des Mittelalters. Sie regelte die Wahl des römisch-deutschen Königs durch die sieben Kurfürsten nach dem Mehrheitsprinzip und legte Frankfurt als festen Ort der Königswahl fest.7

Gewählt wurde fortan im Bartholomäusdom, dem heutigen Kaiserdom. Für diesen Zweck wurde ab 1438 an der Südseite des Chors die Wahlkapelle angebaut. 1372 stieg Frankfurt zur Freien Reichsstadt auf und unterstand damit unmittelbar dem Kaiser.8

Wahl und Krönung

Zwei Funktionen liefen über Jahrhunderte in Frankfurt zusammen: die Wahl der Könige (seit 1356 dauerhaft hier) und ab 1562 auch die Krönung der Kaiser. Beide Akte verwandelten die kleine Reichsstadt regelmäßig in den politischen Mittelpunkt des Heiligen Römischen Reiches.

1405: Aus zwei Bürgerhäusern wird der Römer

Das Wahrzeichen der Altstadt entstand aus einem Immobiliengeschäft. Am 11. März 1405 kaufte der Rat die beiden Häuser "Zum Römer" und "Zum Goldenen Schwan" für 800 Gulden und baute sie zum Rathaus um.9

Der Name geht vermutlich auf die italienischen Kaufleute zurück, die zu Messezeiten hier wohnten und die man im Mittelalter "Römer" nannte. In den folgenden fünf Jahrhunderten kaufte die Stadt weitere angrenzende Häuser hinzu, bis ein Komplex aus elf Gebäuden entstand. Im Kaisersaal, der einstigen großen Kaufhalle, feierten die neu gekrönten Kaiser ihr Krönungsmahl.10

1462: Die Judengasse, das älteste Ghetto Europas

1462 wurden die jüdischen Bewohner Frankfurts auf Anordnung von Kaiser Friedrich III. aus der übrigen Stadt verdrängt und in eine eigene Gasse am östlichen Rand der Altstadt umgesiedelt. Die Frankfurter Judengasse gilt als das älteste Ghetto Europas.11

Zu Beginn lebten dort rund 15 Familien mit etwa 110 Menschen. Bis ins 16. Jahrhundert stieg die Zahl auf über 3.000 Bewohner in rund 195 Häusern, eingepfercht auf einer etwa 330 Meter langen und nur drei bis vier Meter breiten Straße, deren Tore nachts und an christlichen Feiertagen verschlossen wurden. Erst 1796 fiel diese Beschränkung. Aus der Judengasse stammt unter anderem die Bankiersfamilie Rothschild.12

Ab 1562: Frankfurt wird Krönungsstadt

Seit 1147 wurden hier Könige gewählt, ab 1356 dauerhaft. 1562 kam eine zweite Würde hinzu: An diesem Ort wurde nun auch gekrönt. Zwischen 1562 und 1792 empfingen zehn Herrscher vor dem Krönungsaltar im Bartholomäusdom die Kaiserkrone.13

Die Krönungen waren Volksfeste, die sich vom Dom über den Römerberg zogen. Der junge Johann Wolfgang Goethe, 1749 in einem Haus am Großen Hirschgraben in der Innenstadt geboren, hat in "Dichtung und Wahrheit" die Krönung Josephs II. von 1764 als Augenzeuge beschrieben. Die letzte Kaiserkrönung fand 1792 statt, kurz vor dem Ende des alten Reiches.14

1806: Ende der Reichsstadt und der Grüngürtel

1806 endete mit dem Heiligen Römischen Reich auch die jahrhundertealte Freie Reichsstadt. Unter französischem Druck und nach napoleonischem Vorbild begann die Stadt, ihre nun militärisch wertlosen Befestigungen zu schleifen.15

Zwischen 1804 und 1812 wurden die Mauern abgetragen und an ihrer Stelle eine ringförmige Gartenanlage angelegt: die Frankfurter Wallanlagen. Dieser grüne Ring, heute als Anlagenring bekannt, markiert bis heute die Grenze der historischen Innenstadt und gehört zu den frühesten öffentlichen Parkanlagen Deutschlands.16

Die Grenze im Stadtbild

Die Grenze des heutigen Stadtteils Altstadt folgt noch dem Verlauf der staufischen Mauer des 12. Jahrhunderts, ungefähr entlang von Neue Mainzer Straße, Kaiserstraße, Roßmarkt, Zeil und Kurt-Schumacher-Straße. Die Innenstadt reicht bis zum Anlagenring, dem grünen Band der ehemaligen Wallanlagen.

1848: Die Paulskirche und das erste deutsche Parlament

Am 18. Mai 1848 trat in der Frankfurter Paulskirche die Deutsche Nationalversammlung zusammen, das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament. Am Tag darauf wurde Heinrich von Gagern zum Präsidenten gewählt.17

Die evangelische Hauptkirche wurde als Tagungsort gewählt, weil Frankfurt keinen anderen geeigneten Saal hatte. Der klassizistische Rundbau war erst 13 Jahre zuvor fertiggestellt worden, errichtet auf dem Grundstück der 1787 abgerissenen gotischen Barfüßerkirche. Bis Mai 1849 berieten die Abgeordneten hier über eine Verfassung für einen deutschen Nationalstaat.18

Die Paulskirche scheiterte politisch, der preußische König lehnte die ihm angebotene Kaiserkrone ab. Als Symbol der ersten deutschen Demokratie hat der Bau bis heute seinen festen Platz im historischen Bewusstsein.

1866: Frankfurt verliert seine Freiheit

Im Deutschen Krieg stand Frankfurt auf der Seite Österreichs gegen Preußen. Die Niederlage hatte Folgen: Am 2. Oktober 1866 wurde die Freie Stadt Frankfurt von Preußen annektiert und verlor damit endgültig ihre Selbstständigkeit.19

Frankfurt wurde dem Regierungsbezirk Wiesbaden der preußischen Provinz Hessen-Nassau zugeschlagen. Die jahrhundertelange Eigenstaatlichkeit war beendet. Wirtschaftlich aber begann eine neue Blüte: Banken, Börse und Industrie wuchsen rasant, und Frankfurt entwickelte sich zur modernen Großstadt.

1944: Das Ende der alten Fachwerkstadt

Bis zum Zweiten Weltkrieg galt die Frankfurter Altstadt mit rund 1.250 überwiegend mittelalterlichen und Renaissance-Fachwerkhäusern als eine der größten und bedeutendsten Fachwerkstädte Europas. Innerhalb weniger Tage im März 1944 war dieses Ensemble zerstört.20

Am 18. März 1944 warfen 846 britische Flugzeuge ihre Bomben über Frankfurt ab und vernichteten vor allem die östliche Altstadt um die Fahrgasse. Der schwerste Schlag folgte am 22. März 1944, als ein weiterer Angriff von rund 800 Flugzeugen den Kern der Altstadt in Schutt und Asche legte.21

Innerhalb weniger Nächte verlor Frankfurt das größte zusammenhängende Fachwerkviertel Deutschlands.
Über die Luftangriffe vom März 1944

Nach dem Krieg wurde die Altstadt nur in Teilen wiederaufgebaut. Der Römer und der Dom wurden rekonstruiert, das Gebiet zwischen Dom und Römer blieb dagegen lange ungenutzt. Von Anfang der 1970er Jahre bis 2010 stand dort das Technische Rathaus, ein massiver Betonbau über dem U-Bahnhof Dom/Römer.

2018: Die Neue Altstadt zwischen Dom und Römer

Den Wendepunkt brachte ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im September 2007: Das Areal zwischen Dom und Römer sollte wieder kleinteilig bebaut werden. 2012 fiel der Startschuss für die Bauarbeiten auf dem fußballfeldgroßen Grundstück.22

In sechs Jahren entstanden neben dem Stadthaus am Markt 35 Altstadthäuser, darunter 15 originalgetreue Rekonstruktionen und 20 schöpferische Neubauten. Vom 28. bis 30. September 2018 wurde die Neue Altstadt mit einem dreitägigen Bürgerfest eröffnet, zu dem zwischen 250.000 und 300.000 Menschen kamen. 2019 erhielt das Dom-Römer-Projekt den internationalen MIPIM-Award.22

Rekonstruktion und Neubau

Die Neue Altstadt ist kein reines Museumsdorf: Rekonstruierte Schmuckfassaden stehen neben modernen Neubauten, die historische Maße und Materialien aufgreifen. Eine Übersicht der wichtigsten Ziele findest du in unserem Beitrag zu den Sehenswürdigkeiten der Frankfurter Innenstadt.

Innenstadt heute: Bankenviertel, Zeil und Mainufer

Der Ortsbezirk Innenstadt I, der die Altstadt und die Innenstadt umfasst, ist heute das wirtschaftliche und touristische Herz der Stadt. Hier treffen das Bankenviertel mit seinen Hochhäusern, die Einkaufsmeile Zeil und das historische Ensemble um den Römerberg aufeinander.23

Die Skyline ist jünger, als viele denken: Erst seit den 1970er Jahren wuchsen die Türme der Banken in die Höhe und gaben Frankfurt seinen Beinamen "Mainhattan". Wie viele Menschen heute im Zentrum leben und wie sich die Bevölkerung entwickelt, zeigt unser Überblick zu den Einwohnern der Frankfurter Innenstadt, weitere Kennzahlen findest du in der Statistik zur Innenstadt.

Was bleibt, ist die Lage am Wasser und an der alten Furt. Das Mainufer mit den Museen, der Römerberg mit seinen wiederaufgebauten Giebeln und der Dom als Wahrzeichen verbinden die karolingische Pfalz von 794 mit der Großstadt von heute. Die nächsten Kapitel schreiben Hochhausprojekte, die Umgestaltung der oberen Mainkais und der Wandel der Innenstadt von der reinen Geschäftslage zum belebten Wohnquartier.

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