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Kriminalität in der Frankfurter Innenstadt: Zahlen, Hotspots und Trends

Wie sicher ist das Frankfurter Zentrum? Aktuelle Daten des Polizeipräsidiums Frankfurt, warum die Stadt bundesweit so schlecht dasteht und was hinter den Zahlen rund um Zeil, Hauptwache und Bahnhofsviertel steckt.

Von Carsten Friedrich | 1. Juli 2026
Kriminalität in der Frankfurter Innenstadt: Zahlen, Hotspots und Trends © Foto: Epizentrum / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Die Frankfurter Skyline bei Nacht, von Osten gesehen.

Offene Drogenszene am Bahnhofsviertel, Taschendiebe auf der Zeil, Schlägereien rund um Hauptwache und Konstablerwache: Wer in der Frankfurter Innenstadt wohnt oder dort arbeitet, kennt die Schlagzeilen.[7] Doch wie sieht das Lagebild aus, wenn man sich die offiziellen Zahlen ansieht?

Wir haben die Polizeiliche Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Frankfurt[1] und die Strukturdaten des Bürgeramts, Statistik und Wahlen[4] ausgewertet. Wir zeigen, wie hoch die Kriminalitätsbelastung in der Innenstadt wirklich ist, warum Frankfurt im bundesweiten Vergleich so schlecht dasteht und was hinter den Zahlen rund um Altstadt, Innenstadt und das angrenzende Bahnhofsviertel steckt.

Wichtig zur Datenebene

Anders als in vielen Großstädten veröffentlicht das Polizeipräsidium Frankfurt seine Kriminalstatistik nicht nach Stadtteilen, sondern für die Gesamtstadt. Eine offizielle Häufigkeitszahl pro 100.000 Einwohner allein für die Stadtteile Altstadt und Innenstadt gibt es nicht. Wo wir auf Stadtgebietsebene oder auf die Ebene des 1. Polizeireviers (Innenstadt) zurückgreifen, sagen wir das im Text ausdrücklich.

Was dich erwartet

Wie viele Straftaten gibt es in der Frankfurter Innenstadt?

Das 1. Polizeirevier deckt mit rund 2,11 Quadratkilometern fast exakt das Gebiet ab, das diesen Stadtteilen entspricht: begrenzt vom Anlagenring und vom Main, mit Zeil, Hauptwache, Konstablerwache, Römer, Paulskirche und Alter Oper.[8] In diesem Gebiet leben nur rund 11.000 Menschen, die Stadtteile Altstadt (4.288 Einwohner) und Innenstadt (6.897 Einwohner) zusammengenommen.[4] Mehr zur Bevölkerungsstruktur der Innenstadt findest du in unserem Demografie-Hub.

Kennzahl (1. Polizeirevier / Innenstadt)Wert
Fläche Dienstgebiet2,11 km²
Einwohner (Altstadt + Innenstadt)11.185
Straftaten pro Jahrrund 4.500
davon Donnerstag bis Samstagrund 2.000
Besucher Zeil pro Tagrund 75.000

Im Zuständigkeitsbereich des 1. Reviers registriert die Polizei pro Jahr rund 4.500 Straftaten.[8] Etwa 2.000 davon ereignen sich von Donnerstag bis Samstag, und rund die Hälfte dieser Wochenendfälle zwischen 18 und 7 Uhr. Die Innenstadt ist damit vor allem ein Brennpunkt des Nacht- und Wochenendlebens, nicht der Wohnkriminalität.

Warum man die Innenstadt nicht pro Einwohner rechnen darf

Würde man die rund 4.500 Fälle auf die nur 11.000 Wohnbevölkerung umlegen, ergäbe das eine astronomische Häufigkeitszahl von rund 40.000 pro 100.000 Einwohner. Diese Rechnung ist irreführend: Allein die Zeil wird täglich von rund 75.000 Menschen besucht.[8] Die Tagesbevölkerung der Innenstadt ist ein Vielfaches der Wohnbevölkerung. Straftaten werden dort begangen, wo viele Menschen sind, nicht dort, wo viele wohnen. Deshalb sind reine Pro-Kopf-Werte für ein Geschäfts- und Ausgehzentrum wenig aussagekräftig.

Frankfurt im bundesweiten Vergleich: warum die Stadt so schlecht dasteht

Für die Gesamtstadt registrierte die Polizei 2024 insgesamt 113.267 Straftaten[1], ein Rückgang um 1,5 Prozent gegenüber 2023. Die Häufigkeitszahl lag bei rund 14.600 Straftaten pro 100.000 Einwohner.[2] Damit belegt Frankfurt im Vergleich der deutschen Großstädte den vorletzten Platz, nur Bremen liegt mit rund 15.400 noch höher. Zum Vergleich: Im hessischen Landesdurchschnitt liegt die Häufigkeitszahl bei nur 6.046.[2]

GebietStraftaten je 100.000 Einwohner (2024)
Bremen (Stadt)15.424
Frankfurt am Mainrund 14.600
Hessen (Land)6.046

Diese Spitzenstellung hat Gründe, die wenig mit dem Wohnviertel zu tun haben. In die Statistik fließen alle registrierten Delikte ein, vom Schwarzfahren bis zum Kapitalverbrechen.[2] Drei Besonderheiten treffen Frankfurt besonders hart:

  • Der Flughafen. Mit rund 61 Millionen Passagieren im Jahr werden dort zahlreiche Delikte erfasst, vor allem Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz, die anderswo gar nicht anfallen. Sie zählen alle zur Frankfurter Statistik.
  • Pendler und Tagesgäste. Frankfurt ist Deutschlands Pendlerdrehscheibe. Tagsüber halten sich rund 200.000 Menschen mehr in der Stadt auf als nachts. Die Häufigkeitszahl rechnet aber nur mit den knapp 780.000 Einwohnern.
  • Reisende Tatverdächtige. Wer als Tourist oder Geschäftsreisender straffällig wird, taucht in der Frankfurter Statistik auf, obwohl er ganz woanders wohnt.

Wie ist die Häufigkeitszahl zu lesen?

Die Häufigkeitszahl ist die Zahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Sie macht Städte unterschiedlicher Größe vergleichbar, weil sie die Bevölkerung herausrechnet.[5] Sie hat aber eine Schwäche: Sie misst Straftaten am Wohnort der Einwohner, nicht an der Zahl der tatsächlich anwesenden Menschen. Für Zentren mit hoher Tagesbevölkerung, Flughäfen und Bahnhöfen fällt sie deshalb systematisch zu hoch aus.

Die häufigsten Delikte in Frankfurt

Wie überall macht Diebstahl den größten Anteil aus, gefolgt von Körperverletzung. In einem Geschäfts- und Ausgehzentrum wie der Innenstadt spielen zusätzlich Taschendiebstahl und Straßenraub eine überdurchschnittliche Rolle. Die folgenden Zahlen gelten, soweit nicht anders angegeben, für die Gesamtstadt Frankfurt.

Delikt (Stadtgebiet)FälleJahr / Trend
Straftaten insgesamt113.2672024 (minus 1,5 %)
Rauschgiftdelikte4.1522025 (minus 25,8 %)
Taschendiebstahl2.4332025 (minus 715)
Häusliche Gewalt2.2812025 (plus 10,7 %)
Sexualdelikte1.7722025 (plus 9,2 %)
Wohnungseinbruchdiebstahl1.3332025 (plus 26,6 %)
Straßenraub5642025
Messerangriffe im öffentlichen Raum1202025 (von 142)
Mord und Totschlag (Opfer)172024 (Zehnjahreshoch)

Was hinter den Zahlen steckt:

  • Drogendelikte gehen stark zurück. Mit der Teil-Legalisierung von Cannabis im April 2024 fielen tausende Besitzdelikte weg. 2025 zählte die Polizei nur noch 4.152 Rauschgiftdelikte, ein Minus von 25,8 Prozent.[1] Auffällig ist allerdings der Straßenhandel, der sich 2025 mit 745 Fällen mehr als verdoppelt hat.
  • Gewalt nimmt zu. 2024 wurden 17 Menschen Opfer von Mord oder Totschlag, der höchste Wert seit zehn Jahren.[7] Körperverletzungen stiegen um über 1.000 Fälle, Bedrohungen um 572.
  • Wohnungseinbruch zieht an. 2025 verzeichnete die Polizei 1.333 Wohnungseinbrüche, ein Plus von 26,6 Prozent. Die Aufklärungsquote in dieser Deliktgruppe ist mit nur 11,9 Prozent niedrig.[1]
  • Taschendiebstahl sinkt, bleibt aber ein Innenstadt-Thema. 2025 ging die Zahl um 715 auf 2.433 Fälle zurück. Zeil, Hauptwache und Konstablerwache sind klassische Tatorte.

Der Hotspot nebenan: das Bahnhofsviertel

Direkt westlich der Innenstadt liegt das Bahnhofsviertel, das als der Kriminalitäts-Hotspot Hessens gilt. Es ist ein eigener Stadtteil mit nur 3.984 Einwohnern[4], gehört nicht zur Altstadt oder Innenstadt im engeren Sinne, prägt aber das Sicherheitsgefühl im gesamten Zentrum mit.

BahnhofsviertelWert
Einwohner (31.12.2024)3.984
Registrierte Straftaten 2024über 1.300
Festgenommene Tatverdächtige 2024566
davon per Haftbefehl Gesuchte202
Straßenraub 2024minus 28,9 %

Allein im Bahnhofsviertel registrierte die Polizei 2024 mehr als 1.300 Straftaten und nahm 566 Tatverdächtige fest, darunter 202 per Haftbefehl Gesuchte.[7] Seit Ende 2023 gilt dort eine Waffenverbotszone, seit 2025 läuft eine Panorama-Videoüberwachung. Die Maßnahmen zeigen Wirkung: Der Straßenraub im Viertel ging 2024 um 28,9 Prozent zurück, und 2025 halfen die Kameras stadtweit in über 1.000 Fällen bei der Aufklärung, davon 797 am Bahnhof und 206 in der Innenstadt.[1]

Kriminalität im Zeitverlauf

Die Zahl der Straftaten in der Gesamtstadt Frankfurt hat sich über die letzten Jahre in einem engen Korridor bewegt. Nach dem Corona-Tief 2021 stiegen die Werte wieder, 2024 gingen sie leicht zurück, 2025 stiegen sie minimal auf 113.603 Fälle.

0k50k100k150k114.7882022114.9692023113.2672024113.6032025

Erfasste Straftaten in der Gesamtstadt Frankfurt pro Jahr. Quelle: Polizeipräsidium Frankfurt, PKS.

Während die Gesamtzahl stabil bleibt, verschiebt sich die Struktur: weniger Drogen- und Diebstahlsdelikte, dafür mehr Gewalt. 2025 zählte die Polizei in den Bereichen Beleidigung, Bedrohung und Körperverletzung zusammen 16.005 Delikte, ein Anstieg von rund 1.500 Fällen gegenüber dem Vorjahr.[1] Die Aufklärungsquote der Gesamtstadt lag 2024 bei 63,7 Prozent und 2025 bei 62,5 Prozent.[1]

Wer sind die Tatverdächtigen?

Hinweis zur Datenebene

Eine Aufschlüsselung der Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit veröffentlicht das Polizeipräsidium Frankfurt nicht stadtteilbezogen. Die folgenden Anteile gelten bundesweit und lassen sich nicht 1:1 auf die Frankfurter Innenstadt übertragen.

Bundesweit lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2024 bei 41,8 Prozent.[6] Diese Zahl wird oft missverstanden, deshalb ist die Einordnung entscheidend:

  • Reisende und Pendler sind enthalten. Wer als Tourist beim Diebstahl erwischt wird, zählt als nichtdeutscher Tatverdächtiger, auch wenn er in Paris oder Warschau wohnt. Gerade in einem Verkehrsknoten wie Frankfurt mit Flughafen und Hauptbahnhof fällt dieser Effekt stark ins Gewicht.
  • Zuwanderer im engeren Sinne sind eine kleinere Gruppe. Laut Bundeskriminalamt waren von rund 697.000 nichtdeutschen Tatverdächtigen bundesweit etwa 172.000 Zuwanderer im definierten Sinne, das entspricht 8,9 Prozent aller Tatverdächtigen.[6]
  • Staatsangehörigkeit ist nicht Migrationshintergrund. Die PKS erfasst nur den Pass. Ein in Frankfurt geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist.

Wichtige methodische Einschränkungen

  • Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die PKS erfasst Verdachtsfälle nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen.[5] Bis zum Urteil gilt jeder Tatverdächtige als unschuldig.
  • Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten belastete Gruppe. Da die nichtdeutsche Bevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Anteile.
  • Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, Umfeld und Viertel und beeinflussen, was überhaupt in die Statistik gelangt.

Häufige Fragen zur Kriminalität in der Frankfurter Innenstadt

Wie gefährlich ist die Frankfurter Innenstadt wirklich?

Die Innenstadt ist vor allem nachts und am Wochenende belastet: Rund 2.000 der etwa 4.500 jährlichen Straftaten im Gebiet des 1. Polizeireviers fallen auf Donnerstag bis Samstag, davon die Hälfte zwischen 18 und 7 Uhr.[8] Es handelt sich überwiegend um Diebstahl, Taschendiebstahl und Gewaltdelikte im Umfeld des Ausgeh- und Einkaufsbetriebs, nicht um Wohnkriminalität. Wer tagsüber auf der Zeil unterwegs ist, sollte vor allem auf Taschendiebe achten.

Warum hat Frankfurt eine so hohe Kriminalitätsrate?

Mit rund 14.600 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt Frankfurt bundesweit auf dem vorletzten Platz.[2] Hauptgrund ist die Berechnungsmethode: Der Flughafen mit 61 Millionen Passagieren, die Rolle als Pendlerdrehscheibe mit rund 200.000 zusätzlichen Menschen am Tag und der hohe Anteil reisender Tatverdächtiger treiben die Zahl nach oben, ohne dass dies die Sicherheit der Wohnbevölkerung im selben Maß abbildet.

Welcher Bereich im Zentrum ist am stärksten belastet?

Das Bahnhofsviertel gilt als Kriminalitäts-Hotspot. 2024 wurden dort über 1.300 Straftaten registriert und 566 Tatverdächtige festgenommen.[7] Es ist allerdings ein eigener Stadtteil und gehört nicht zur Altstadt oder Innenstadt im engeren Sinne. Innerhalb der eigentlichen Innenstadt sind Zeil, Hauptwache und Konstablerwache die auffälligsten Bereiche.

Geht die Kriminalität in Frankfurt zurück?

Die Gesamtzahl bleibt stabil: 2024 sank sie leicht auf 113.267 Fälle, 2025 stieg sie minimal auf 113.603.[1] Die Struktur verschiebt sich: Drogen- und Diebstahlsdelikte gehen zurück, Gewaltdelikte und Wohnungseinbrüche nehmen zu.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Frankfurt?

Eine stadtteilbezogene Aufklärungsquote wird nicht veröffentlicht. Stadtweit lag sie 2024 bei 63,7 Prozent und 2025 bei 62,5 Prozent.[1] Bei Sexualdelikten erreicht sie rund 73,8 Prozent, bei Wohnungseinbruch dagegen nur 11,9 Prozent.

Gibt es offizielle Kriminalzahlen für die Stadtteile Altstadt und Innenstadt?

Nein. Das Polizeipräsidium Frankfurt veröffentlicht die Kriminalstatistik nur für die Gesamtstadt, nicht nach Stadtteilen. Die genaueste verfügbare Annäherung an die Innenstadt ist der Zuständigkeitsbereich des 1. Polizeireviers mit rund 4.500 Straftaten pro Jahr.[8] Wer die weiteren Strukturdaten der Innenstadt einordnen will, findet sie bei Statistik und Wahlen der Stadt Frankfurt.

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